Blick hinter die Kulissen der digitalen Hochschullehre

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Inzwischen haben wir uns schon daran gewöhnt: An die Online-Vorlesungen, virtuellen Treffen und Besprechungen per Email und Handy. Alles kein großes Spektakel mehr für uns. Da ist Zeit wieder Neues zu entdecken und neugierig Unbekanntes zu erkunden. Wie wäre es mal damit einen Blick hinter die Kulissen der digitalen Hochschullehre zu werfen? Wie wäre es mal damit das Backstageteam kennenzulernen, das nun schon über ein Jahr unseren Studienalltag am Laufen hält? Ich wollte wissen, wer den Wechsel von Präsenz- zu Onlinelehre möglich gemacht hat. Also habe ich zum Telefon gegriffen und im Rechenzentrum und Studienbüro nachgefragt, wie es hinter den Kulissen seit einem Jahr denn so läuft.

Bühnenvorhang

„Bei uns ist seit Februar letzten Jahres Power Pur“, erklärt mir Albert Dotzler, Leiter des Rechenzentrums. Damals wurde absehbar, dass die Pandemie zu einem größeren Problem wird. Der Semesterstart verschob sich. Ein Konzept für digitalen Unterricht musste her, denn „bis dahin hatten wir nichts für die sogenannte Distanzlehre“.

Anfangs waren große Umstellungen nötig

Nur Moodle hatte sich als Austauschplattform für Studierende und Lehrende bis dato etabliert. „Ich wollte für die digitale Lehre ein Userinterface mit einem System für alle Tools. Das war dann natürlich Moodle, das alle schon kannten“, erzählt Dotzler. Unter anderem deswegen sei seine Wahl auf BigBlueButton gefallen. Es sei relativ leicht in das bisherige Lernmanagementprogramm zu integrieren gewesen. Außerdem sei es ein verbreitetes Tool an vielen Hochschulen und damit speziell auf die Bedürfnisse von Universitäten und Fachhochschulen zugeschnitten.

Zur zusätzlichen Unterstützung wurde die Taskforce digitale Lehre gegründet für alle Fragen rund um die neue Art des Studierens. Das war nötig, da noch niemand wusste wie Studium online funktioniert. Wie ich saßen scheinbar Viele in ihrer ersten Vorlesung und mussten erst einmal lernen mit Mikrofon, Kamera, Whiteboard und Breakout-Räumen umzugehen. Dotzler erzählt: „Es ist schon ein bisschen holprig losgegangen. Es kamen unheimlich viele Anfragen. Wir hatten im letzten Jahr mehrere tausend Support-Tickets.“ Studierende, Dozierende und Hochschulangestellte mussten sich erst einmal zu Recht finden in dieser neuen Welt aus Tools, Links, Datenup und -download.

Die digitale Hochschule etablierte sich

Es spielte sich jedoch schnell ein. Und manches wurde sogar einfacher. Kathrin Forsters Arbeit etwa. Sie ist im Weidner Studienbüro für Praktikumsangelegenheiten und Bewerbungen zuständig. „Größere Sachen kann man besser persönlich besprechen“, berichte sie. „Aber eigentlich ist es jetzt schon einfacher. Gerade auch für die Studierenden, die nicht extra kommen müssen.“ Die Arbeitsabläufe seien im Wesentlichen die gleichen geblieben. Jetzt laufe eben alles über Email, PDFs und Telefon. Probleme gebe es dabei kaum. „Vorher war etwa die Hälfte schon digital“, erzählt Förster. Dass nun noch mehr über Computer und Internet laufe, sei zum Teil schon überfällig gewesen.

Damit die Hochschule nun so gänzlich digital funktioniert, war von Seiten des Rechenzentrums jedoch einiges an Einarbeiten, Ausarbeiten und Überarbeiten nötig. „Wir mussten uns beispielsweise fragen: was brauchen wir für Hardware? Welche Leitungslast haben wir? Kann ich das mit unserer eigenen Leitung schaffen?“, erzählt Dotzler. „Uns war klar: da werden wir schnell ein Problem bekommen.“ Deswegen wurden Server angemietet, Konzepte zur optimalen Auslastung entwickelt und alles immer wieder optimiert. Bei BigBlueButton sei besonders die Teilnehmerzahl ein Problem. Spätestens bei 175 Nutzern ist Schluss. Gerade der Semesterstart im Oktober mit den großen Erstsemestervorlesungen sei da für Dotzler und sein Team zu einer echten Herausforderung geworden. Auch ich hatte mich damals durch unterbrochene Internetverbindungen und verrauschte Vorträge gequält. Jedoch nur kurz, dann lief alles wieder wie gewohnt – vielleicht sogar besser als zuvor.

Die Zukunft verspricht ein Mix zu werden

„Jetzt sind es nur noch Details“, meint Dotzler bis Blick auf den Stand der aktuellen Funktionalität. Im Wesentlichen laufe die Onlinelehre inzwischen ganz gut. „Es wird aber zum Beispiel eine neue BBB-Version kommen, bei der die Ton- und Bildqualität deutlich besser ist.“ Außerdem erlaube die neue Version viel mehr Teilnehme in einem Meeting. Tools, wie BigBlueButton werden laufend verbessert und etablieren sich zunehmend.

Und das ist gut, nicht nur für die Hochschulangehörigen jetzt. Denn vermutlich wird vieles davon nach der Pandemie noch bleiben. „Ich behaupte, es wird auch wieder kommen, dass wir Präsenz haben, weil es das Beste ist“, sagt Dotzler. „Ich denke es wird ein Hybridsystem werden.“ Beides habe Vorteile und könne in Kombination die Hochschullehre bereichern. Onlinetools machen manches einfacher und anschaulicher, persönlicher Kontakt braucht es im Studium aber auch. Und auch Kathrin Forster im Studienbüro glaubt das ein Teil auf jeden Fall bleiben werde. Sie meint ihre Arbeit und Homeoffice funktioniere zwar gut, trotzdem sei es manchmal schön ein paar Gesichter zu sehen.

Ich hoffe, dass wird bald wieder möglich sein. Bis dahin heißt es weiterhin Studieren auf Distanz. Wie das funktioniert, weiß ich ja bereits. Dank dieser beiden Telefonate kenne ich nun auch die interessante Welt hinter den Kulissen der digitalen Hochschullehre.