Immer diese Vorurteile!

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Die Studierenden drängen in die Großstädte – München, Hamburg, Berlin können sich vor wissenshungrigen jungen Menschen kaum retten. Sie leiden unter teuren Mieten, verstopften Straßen, hohen Lebenshaltungskosten. Da wäre es doch besser eine kleinere, günstigere, familiärere Stadt zum Studieren zu suchen – gäbe es da nicht immer diese Vorurteile!

OTH Amberg-Weiden Campus Amberg

Letzte Woche hatte ich das Vergnügen mich mit einem frischgebackenen Abiturienten zu unterhalten. Auch ich ließ es mir nicht nehmen ihm die Frage zu stellen, die er derzeit wohl fünfmal am Tag beantworten muss: „Was willst du denn jetzt nach der Schule machen?“

Die Art und Weise wie er Luft in seine Wangen blies und ein Augenrollen unterdrücke, verriet mir zum einem wie recht ich hatte mit der Frequenz dieser Frage und zum anderem zeigte es wie ungern er über dieses Thema redete. Ich vermutete daher, die ehrliche Antwort auf meine Frage lautete ‚Keine Ahnung‘. Er sagte stattdessen: „Ich hab mich noch nicht entschieden“, was das Gleiche bedeutet.

Ich ließ mich nicht beirren und fragte weiter: „In welche Richtung soll’s denn gehen?“ Ich machte mich auf einige weitere Phrasen gefasst und bekam sie prompt: „Irgendwas mit Medien.“ Ich freute mich, denn damit kenne ich mich aus. Immerhin hatte auch ich diese Laufbahn eingeschlagen und war mit dieser Entscheidung sehr glücklich.

„Komm doch an die OTH Amberg-Weiden“, sagte ich deswegen mit ehrlicher Begeisterung, die sofort verflog, als mein Gegenüber das Gesicht verzog, als hätte ich ihn gezwungen in eine Zitrone zu beißen.

„Nichts für ungut“, versuchte er es diplomatisch, da er scheinbar nicht bemerkt hatte, dass seine Mimik in schon längst verraten hat. „Aber ich will einen richtigen Hochschulabschluss von einer Uni.“

Ich atmete einmal kräftig ein und aus, bevor ich möglichst ruhig antwortete. Ich hasste die Vorurteile, die inzwischen über Generationen von den Eltern an die Kinder weitergegeben wurden. „Es gibt keinen Qualitätsunterschied zwischen Fachhochschule und Universität. Es ist sogar bewiesen, dass Absolvierende einer Fachhochschule von der Industrie lieber genommen werden.“

Der Abiturient zeigte sich von meinem Argument unbeeindruckt. „Ich will mir aber alle Möglichkeiten offen halten“, antwortete er mal wieder mit einer Phrase. Ich fragte mich schön langsam, ob es sich nicht gelohnt hätte eine Runde Bullshit-Bingo zu spielen.

„Und an der OTH Amberg-Weiden kannst du dir nicht alle Möglichkeiten offenhalten?“, fragte ich.

„Naja“, setzte er an und warf mir einen präventiv entschuldigenden Blick zu. „Die OTH AW ist schon ziemlich provinziell und klein. Es gibt ziemlich wenig Studiengänge und die meisten haben Namen unter denen ich mir nichts vorstellen kann…“

„Ist das nicht bei allen Hochschulen so?“, warf ich ein.

„Aber an der Uni kann ich die Studienfächer leichter wechseln, wenn mir was nicht gefällt“, wechselte er fließend und ohne sich von mir beirren zu lassen seine Argumentationsrichtung.

„Das kannst du an der OTH AW auch“, ließ ich nicht locker. „Wir haben sogar ein Programm mit dem du vor dem Studium in alle möglichen Studiengänge reinschnuppern kannst: PrepareING heißt das.“

„Ja vielleicht, aber an der Uni hab ich trotzdem mehr Möglichkeiten“, fuhr er fort, noch immer unbeeindruckt von meinen Argumenten. „Da gibt es viel mehr Kurse, die ich zusätzlich besuchen kann. Weiterbildungen oder Sprachkurse…“

Ungeduldig unterbrach ich ihn erneut: „Auch die OTH AW hat Weiterbildungsangebote und Sprachkurse.“

„Kann schon sein“, meinte er schulterzuckend. „Aber ganz ehrlich: Amberg und Weiden sind beides Käffer.“

Ah ja! Da haben wir ja endlich sein wahres Problem mit der OTH Amberg-Weiden, dachte ich. Studienwahl, Weiterbildung und Sprachkurse spielen für den angehenden Studenten doch eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist erst mal das Entertainmentangebot. Ich dachte an alles was Amberg und Weiden zu bieten haben und ärgerte mich schon wieder über diese ungerechten Vorurteile.

Zweifelsohne kann keine der beiden Städte mit der Masse an Freizeitangeboten mithalten, die große Studentenstädte, wie München oder Berlin bieten. Aber braucht es das? Letztendlich zieht es mich und meine KommilitonInnen doch immer wieder in die gleiche Stammkneipe. Wenn wir ganz abenteuerlustig sind, wechseln wir auch einmal in eine der drei anderen Bars. Niemand kann mir erzählen, dass Münchner Studierende das groß anders machen würden. Dafür haben wir Studierende in den Provinzstädten nicht das Problem das nachts nur eingeschränkter Nahverkehr gilt – wir brauchen schlichtweg keine Busse und U-Bahnen. In Weiden und Amberg ist alles fußläufig. Das gleiche gilt für Kinos, Schwimmbäder, Parks und Ähnliches. Es reicht vollkommen, wenn es davon ein Exemplar in jeder Stadt gibt. Kein Mensch kann in zwei Kinos gleichzeitig gehen. Aber hier ist alles in der Nähe, während man in der Großstadt eine halbe Stunde mit der Tram fahren muss.

Ich holte Luft, um genau das dem Abiturienten vor mir zu erklären. Der Trotz in seinen Augen forderte mich gerade zu heraus ihm Paroli zu bieten, aber ich hielt mich zurück, atmete die angestaute Luft langsam aus. Denn in seinem Unterbewusstsein weiß er alles was ich ihm sagen würde schon – und selbst wenn er keine Ahnung hätte, würde es nichts an seiner Meinung ändern. Es geht in dieser Diskussion, wie so oft, nicht um sinnige Argumente, sondern vielmehr um den Schein. Es klingt einfach cooler, sagen zu können, man studiert in Berlin. Das ist nicht fair, aber ein Statussymbol.

Also zuckte ich nur mit den Schultern, sage „Wie du meinst“ und denke mir: Selber schuld.

Allen, die es anders machen wollen, als der oben genannte Abiturienten, möchte ich noch einen Tipp geben: Bewerbungen für ein Studium an der OTH in Weiden und Amberg sind noch bis 15. Juli möglich!