Chancen und Risiken der Digitalisierung für die wissenschaftliche Weiterbildung in ländlichen Räumen

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Vor allem im ländlichen Raum gewinnt Digitalisierung in der Bildung zunehmend an Bedeutung. So auch in der wissenschaftlichen Weiterbildung. OTH mind lotet die Chancen und Risiken dieser Entwicklung aus und entwirft danach zukunftsfähige Weiterbildungsangebote.

Grafik zeigt Chancen und Risiken der Digitalisierung von Weiterbildung im ländlichem Raum

Die Digitalisierung hat in der Bildung eine zentrale Rolle eingenommen – insbesondere im Kontext des lebenslangen Lernens und somit in der wissenschaftlichen Weiterbildung. Diese Entwicklung bezieht sich nicht nur auf didaktische Fragen, Organisationsprozesse oder Anforderungen an das Lehrpersonal, sondern auch die Inhalte der Weiterbildungsangebote müssen zu regionalen Anforderungen passen. Ebenso muss die Nachhaltigkeit der Digitalisierung für wissenschaftliche Weiterbildung in ländlichen Räumen berücksichtigt werden.

Wissenschaftliche Weiterbildung in ländlichen Räumen

Vor allem in ländlichen Gebieten, die vom demografischen Wandel geprägt sind, nimmt die Verzahnung von Digitalisierung und wissenschaftlicher Weiterbildung eine zukunftsweisende Rolle ein. Dabei weist die ländliche Region Ostbayern, in der die Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden (OTH) und die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg angesiedelt sind, trotz insgesamt guter wirtschaftlicher Kennzahlen Risikofaktoren für die strukturelle Gesamtentwicklung auf. Diese sind laut Fachkräftereport der IHK Bezirk Oberpfalz/Kelheim 2018 ein demografisch bedingter Mangel an qualifizierten Nachwuchsfachkräften oder ein ungleicher Stand der Bevölkerungs- und Strukturentwicklung innerhalb der Region (Bevölkerungsprognose des Bayerischen Landesamtes für Statistik: 2018). Offen bleibt, welche Auswirkungen die Digitalisierung für die regionalen Weiterbildungsangebote hat?

Die Digitalisierung für die Weiterbildung in ländlichen Räumen bietet diverse Chancen:

  • Ortsunabhängiges Lernen kann die Abwanderung Hochqualifizierter in Ballungsräume reduzieren und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern
  • Modulare und flexible Angebote sowie innovative Beratungsstrukturen erschließen neue Zielgruppen und erhöhen deren Reichweite
  • Lehr- und Lernformen werden durch digitalgeprägte didaktische Methoden komplementiert
  • Kompetenz- und Potenzialentwicklung für die Region im digitalen Bereich
  • Verzahnung von akademischer Bildung, gesellschaftlichen Anforderungen und Bedarfen des Arbeitsmarktes stärken

Neue Risiken für eine Digitalisierung im ländlichen Raum können u. a. sein:

  • Bisher geringe Erfahrungswerte bei der Umsetzung von Digitalisierungsstrukturen in der wissenschaftlichen Weiterbildung
  • Spannungsfeld zwischen neuen Herausforderungen durch die Digitalisierung und traditionell geprägtem Hochschulsystem
  • fehlende Ortsbindung der Studierenden
  • Zum Teil fehlende technische Infrastruktur wie bspw. Breitbandnetzabdeckung
  • Phänomen der digitalen Spaltung

OTH mind als Verbundprojekt für die Region – Wie gehen wir mit diesen Herausforderungen um?

Das Verbundprojekt OTH mind im Bund-Länder-Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“, das die Teilprojekte #transfergestalten der OTH Regensburg und #aufstieggestalten der OTH Amberg-Weiden vereint, hat das Augenmerk auf diese Frage gerichtet. Daher wird ein über die Region Ostbayern angelegtes wissenschaftliches Weiterbildungsangebot für lebenslanges Lernen in modularen Strukturen entwickelt. Die Bildungsangebote des Projekts adressieren vor allem beruflich Qualifizierte, Studienabbrecher/innen, sowie IT-Fachkräfte.

Um die Digitalisierung für die wissenschaftliche Weiterbildung in Ostbayern möglichst effizient zu nutzen, liegt ein Schwerpunkt auf den Fragen, wie Weiterbildungsmodule – auch durch digitale Angebote – flexibler gestaltet, wie Digitalisierung von Lernelementen realisiert und wie traditionelle Hochschulstrukturen weiterentwickelt werden können. Dabei arbeitet OTH mind beispielhaft an folgenden Punkten:

  • Ausbau von Online-Beratungsangeboten (z.B. virtuelle Sprechstunde) und neuen Lehr- und Lernformen (z.B. Blended Learning, Video-Summaries, E-Assessment, Online-Self-Assessment)
  • Entwicklung und Durchführung nachfrageorientierter und bedarfsgerechter Qualifizierungsangebote, um Fachkräfte mit Kenntnissen und Fähigkeiten z. B. im IT-Bereich auszustatten
  • Aufbau neuer Strukturen sowohl durch hochschulinterne (z.B. Einbeziehen der Hochschulleitung, Fakultäten und Verwaltung) als auch externe Zusammenarbeit (z.B. Unternehmenskooperation, Kooperationen mit regional ansässigen Bildungsträgern)
  • Netzwerkaufbau und Wissens- und Erfahrungsaustausch (z.B. (aktive) Teilnahme an einschlägigen Tagungen, Mitarbeit in Arbeitsgruppen, Netzwerk Offene Hochschulen)
  • Sicherstellen von Nachhaltigkeit und Qualität der Angebote auf Basis einer nachfrageorientierten und bedarfsgerechten (Weiter-)Entwicklung der Bildungsangebote sowie enge Zusammenarbeit mit den bestehenden Weiterbildungseinrichtungen der Verbundhochschulen(OTH Regensburg: ZWW; OTH Amberg-Weiden: OTH Professional)

Die Digitalisierung der Lehre in der akademischen Weiterbildung ist ein sich kontinuierlich entwickelndes Feld: Redundanzen und mögliche Fehlentwicklungen können deshalb am besten minimiert werden mit einem Wissens- und Erfahrungsaustausch im „Netzwerk Offene Hochschulen“, mit anderen Dachverbänden der wissenschaftlichen Weiterbildung und durch den Austausch von Best-practice-Lösungen. Die bisherigen Erfahrungen zeigten, dass die Teilnehmenden an Bildungsangeboten im Projekt OTH mind zu Kursbeginn wenige Vorerfahrungen im Bereich digitales Lernen mitbrachten. Dennoch wurden die E-Learning-Elemente in Verbindung mit der entsprechenden Anleitung als sehr positiv bewertet. Damit die Nachhaltigkeit insbesondere in der Schnelllebigkeit des digitalen Zeitalters sichergestellt werden kann, liegt ein Schwerpunkt bei OTH mind im Qualitätsmanagement, insbesondere auf der Entwicklung von Evaluationsinstrumenten, deren Ergebnisse zugleich Grundstein für nachhaltige und qualitativ hochwertige Bildungsangebote sind.

Relevanz der Digitalisierung für die Nachhaltigkeit der Bildungsangebote von Verbundprojekten

Die Digitalisierung kann Weiterbildungsangebote mit individuellen Lebenssituationen vereinen, neue Zielgruppen erreichen und diese inhaltlich auf zukunftsrelevante Felder vorbereiten. Die Erfahrung im Projekt OTH mind zeigt, dass die zeitlich und örtlich flexible sowie modulare Ausgestaltung der Bildungsangebote – ermöglicht durch die Digitalisierung – auf sehr große Zustimmung der Teilnehmenden gestoßen ist, da diese zur Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Weiterbildung beitragen kann.

Dadurch könnte ein Beitrag geleistet werden, den Anteil an hochqualifizierten Fachkräften in der Region zu erhöhen sowie dem durch den demografischen Wandel bedingten Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Eine besondere Herausforderung im Projekt stellt sowohl auf struktureller als auch individueller Ebene die digitale Spaltung dar. Zur ersteren zählt – insbesondere im ländlichen Raum –  die zum Teil noch fehlende Breitbandnetzabdeckung. Diese ist jedoch unabdingbare Basis für den Auf- und Ausbau digitaler Elemente in der akademischen Weiterbildung. Aus individueller Sicht kommen noch alters-, einkommens-, oder wissensbedingt die unterschiedlichen Kompetenzen und Kenntnisse im Umgang mit neuen digitalen Lerntechnologien wie beispielsweise Adobe Connect oder der im Projekt eingesetzten Lernplattform Moodle zu tragen.

Die nachhaltige Verankerung von im Verbund entwickelten Bildungsangeboten in ländlichen Regionen hängt somit davon ab, ob die Chancen der Digitalisierung genutzt und deren Risiken beachtet werden. Wissenschaftliche Weiterbildung im digitalen Zeitalter hat das Potenzial, zum wirtschaftlichen und gesellschaftlich-kulturellen Erfolg von Hochschulen, Unternehmen und Regionen beizutragen.

 

Hinweis: Dieser Text wurde bereits in einer ähnlichen Form erstveröffentlicht.