Rückkehr aus der Virtualität

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In diesem Semester kehren wir wieder physisch an die Hochschule zurück. Nach so langer Zeit in Online-Meetings und mit digitaler Lehre muss ich da erst einmal wieder umdenken. Ich brauche eine Checkliste, um nichts zu vergessen, bei meiner Rückkehr aus der digitalen Welt.

To-Do-Liste fürs den Präsenzunterricht

Das Wintersemester startet wieder in traditioneller Form: im Präsenz. Die aktuelle Lage lässt es zu, sich wieder real zu treffen und in Vorlesungssaal, der Bibliothek, dem Büro und der Mensa zusammenzusitzen. Ein Schritt hin zur alten Normalität, die inzwischen jedoch ziemlich ungewohnt erscheint. Mir zumindest, fiel die Umstellung gar nicht so leicht. Vieles was mal Routine war, habe ich mir in den letzten eineinhalb Jahren abgewöhnt. Um auf dem Weg zurück an die Hochschule nichts zu vergessen, habe ich mir eine kurze To-Do-Liste aufgestellt:

Punkt Eins: Anständig anziehen

Die Jogginghose war die letzten eineinhalb Jahre mein liebstes Kleidungsstück und ständiger Begleitung. Im Dresscode für Online-Vorlesungen und -Besprechungen war sie absolut drin. Wenn es jetzt zurück in die Klassenzimmer und Büros geht, ist sie aber in den meisten Fällen nicht mehr die erste Wahl. Also: eine bessere Hose aus dem Schrank kramen und sich vor Verlassen des Hauses anständig anziehen.

Punkt Zwei: Hunger einplanen

Nächster wichtiger Punkt, den es zu bedenken gilt. Kehre ich an die Hochschule zurück, habe ich nicht allzeit einen gefüllten Kühlschrank und eine einsatzbereite Kaffeemaschine zur Hand. Entweder ich nehme mir morgens die Zeit und richte mir eine Brotzeit zum Mitnehmen her oder ich stecke meinen Geldbeutel und die Mensakarte ein. Plane eventuell einen kleinen Umweg über das nächste Café oder Bäckerei ein, um mir meine Dosis Koffein mitzunehmen. Und ich rufe mir die Öffnungszeiten und Regeln der hochschuleigenen Kantine zurück ins Gedächtnis.

Punkt Drei: Fahrt einkalkulieren

Außerdem muss ich die Anfahrt einplanen. Während Corona war der längste Weg, den ich für mein Studium zurück legen musste, der vom Bett zum Schreibtisch. Jetzt mit Präsenzveranstaltungen verlängert sich diese Strecke wieder enorm. Ich muss früher aufstehen, um rechtzeitig von meinem Bett in den Vorlesungssaal zu kommen. Dabei muss ich Stau, rote Ampeln und andere Verkehrsbehinderungen mit einplanen. Und auf den Nachhauseweg muss ich dieselbe Strecke wieder zurück.

Punkt Vier: Sozial interagieren

Wenn ich dann Punkt Eins bis Drei erledigt habe, hab ich fast alles geschafft. Ich sitze anständig angezogen, rechtzeitig, satt und mit Kaffee in der Hand im Vorlesungssaal und muss mich an eine letzte Veränderung wieder gewöhnen: soziale Interaktion. Die letzten Monate hatte sich diese ja stark eingeschränkt. Die Zahl meiner Kontakte war stark begrenzt und vor dem Laptop mit der Online-Vorlesung konnte ich mich benehmen wie ich will. Jetzt sitze ich wieder mit mehreren Menschen zusammen in einem Raum. Nach der ersten Hürde einer corona-konformen Begrüßung, geht es dann wieder ans Small Talken, ans Beisammensitzen und Interagieren.

Fast könnte man meinen die ganze Umgewöhnung und der viele Aufwand sind das Präsenzstudium nicht wert. Doch ich bin mir sicher: ich werde diese kleine Checkliste nicht mehr lange brauchen, dann habe ich das Leben außerhalb der Virtualität wieder verinnerlicht und weiß es zu schätzen. Das ist wie Fahrradfahren – man verlernt es nicht.