Oma, wenn ich groß bin, will ich Roboterberater*in werden

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Die Arbeitswelt verändert sich schneller. War meine Oma noch Archivarin, ist dieser Beruf inzwischen fast schon ausgestorben. Ich pflege dagegen heute Content auf einer Webseite ein. Welche Berufe wird es dann bei meinen Kindern und Enkeln geben? Ich habe mir ein paar Gedanken dazu gemacht und meine Top Five der Berufe der Zukunft zusammengestellt.

Raumschiff

Erzähle ich meiner Oma heute, ich bestücke eine Webseite mit Content, sieht sie mich an als redet ich chinesisch mit ihr. In der Zeit in der sie aufgewachsen ist, gab es solche Berufe noch nicht. Da hat man geschreinert, in der Fabrik gearbeitet oder im Büro. Inzwischen sind manche der damaligen Berufe schon ausgestorben. Meine Großmutter hat als junge Frau in einem Archiv Akten sortiert. Ihre Erzählungen von früher kann ich mir heute kaum vorstellen. Mein Laptop archiviert zehnmal so viele Daten hundertmal effizienter. Heutzutage stellt kaum noch jemand eine Archivarin ein.

Die Arbeitswelt wandelt sich ständig. Die Berufe, die heute verbreitet sind, können schon in ein paar Jahren genauso veraltet sein, wie der Beruf meiner Oma. Ich habe diesen Gedanken sacken lassen und mir überlegt, welche Berufe es jetzt noch nicht gibt, aber sich vielleicht in Zukunft entwickeln werden. Als Grundlage dafür habe ich Trends in Wirtschaft und Gesellschaft genommen und meine Idee mit den Überlegungen anderer Menschen verschmolzen, die sich ebenfalls mit diesem Thema auseinandergesetzt haben. Dabei herausgekommen ist meine Top Five der Berufe der Zukunft:

Urbaner Bauer*in

Der Trend zum urbanen Farming ist bereits voll im Kommen, denn er ist wohl unvermeidbar. Die Weltbevölkerung wächst und mit ihr die Städte. Ländliche Anbauflächen verschwinden. Langfristig wird uns nichts Anderes übrigbleiben als auch in den Städten Gemüse und Getreide anzubauen. Vertical Farming nennen das die Experten. Freie Flächen, wie die Dächer von Hochhäusern werden genutzt um dort Beete anzulegen oder Bienen zu züchten. Positive Nebeneffekte dieser städtischen Landwirtschaft: Die Natur gleicht den vielen Beton aus, die schlechte Luft und den ganzen Lärm. Außerdem verkürzen sich die Transportwege. Es ist keine lange Lieferkette nötig um das Obst vom Dach in den Supermarkt im Erdgeschoss zu bringen.

Abfalldesigner*in

Doch nicht nur in den Städten gewinnen Umweltthemen zunehmen an Bedeutung – auch in den Ozeanen. Die Oberflächen unserer Meere sind mit einer Schicht Plastik überzogen. Wir produzieren viel zu viel und schmeißen viel zu viel weg. Eine Lösung für dieses Problem liefert das Upcycling. Dabei werden Abfälle in neue Produkte umgewandelt. Keine einfache Aufgabe für die es viele kreative Köpfe braucht, die dazu auch noch Ahnung von Technik haben. Daraus entsteht dann eine ganz neue Berufsgruppe: die Abfalldesigner*innen.

DNA-Ingenieur*in

Auch DNA-Ingenieur*innen werden kluge und kreative Köpfe brauchen. Zugegeben - es wäre frech zu behaupten diesen Beruf gebe es noch nicht. Immerhin ist Gentechnik schon lange ein Begriff. Jedoch wird sich dieser Bereich in Zukunft vermutlich noch deutlich ausweiten und weiterentwickeln. Die ersten Schritte in diese Richtung sind bereits deutlich zu sehen. So gelang es Forschen an der University of Manchester letztes Jahr aus Stammzellen eine Niere wachsen zu lassen. Die Entwicklungen, die in diesem Feld noch möglich sind, sind vielfältig und heutzutage noch kaum abzusehen.

Nostalgologe*in

Wenn wir uns jedoch zeitlich um 180 Grad drehen, erkennen wir deutlich was in der Vergangenheit liegt. Auch wenn Nostalgie augenscheinlich sehr konträr zu dem Thema Zukunft wirkt, wird sie in den kommenden Jahren und Dekaden von Bedeutung sein. Immerhin ziehen sich Gegensätze bekanntlich an. Je schneller und innovativer die Zeit voranschreitet, desto mehr Menschen sehnen sich hin und wieder nach der guten alten Zeit. Schon heutzutage begeistern sich viele Menschen für Polaroid-Kameras, Schallplatten oder Vintage-Looks. Es ist ein Trend der als Gegengewicht zur zunehmenden Modernisierung und Digitalisierung noch bedeutender werden wird. Damit eröffnen sich Chancen für einen ganz neuen Berufszweig: Nostalgologen könnten ihr Geld beispielsweise mit dem Organisieren von Urlaubsreisen wie in den 60er verdienen.  Oder sie eröffnen ein Café, das noch genauso ist wie in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts.

Roboterberater*in

Roboter hat es damals noch keine gegeben. Dafür werden uns in Zukunft immer mehr begegnen. Über kurz oder lang werden uns Roboter viele Aufgaben abnehmen: Fließbandarbeit, Putzen, Waschen, Kochen, Einkaufen, Pflege. In ein paar Jahrzehnten wird es Roboter für fast alles geben. Wie soll jemand da noch wissen welcher Roboter für einen der richtige ist? Die Auswahl wird so vielfältig und abhängig von so vielen Kriterien sein, dass wir uns zukünftig genauso schwer für einen neuen Roboter entscheiden können, wie jetzt für ein neues Handy. Und genauso wie es jetzt Berater für Mobiltelefone gibt, wird es in Zukunft Experten geben, die uns bei der Kaufentscheidung unseres nächsten Roboters helfen.

Die Ururenkel meiner Oma werden vermutlich kaum noch die Vorstellungskraft aufbringen können, um zu begreifen was genau eine Archivarin macht. Dafür wird meine Großmutter nur verständnislos lächeln, wenn sie ihr erzählen, sie wollen Roboterberater*innen werden, wenn sie groß sind.